Pterygoplichthys gibbiceps / Glyptoperichthys gibbiceps, Pterygoplichthys xinguensis / Glyptoperichthys xinguensis, L165, L83, … – Wer ist wer?

Wie ist die Zuordnung von Pterygoplichthys / Glyptoperichthys gibbiceps zu den L-Nummern?

Die Situation um Pterygoplichthys / Glyptoperichthys gibbiceps

Auf PlanetCatfish wird Pterygoplichthys / Glyptoperichthys gibbiceps den L-Nummern „L 83“ und „L 165“ zugeordnet.
Auf L-Welse com korrespondiert Pterygoplichthys / Glyptoperichthys gibbiceps der L-Nummer „L 165“ und Pterygoplichthys / Glyptoperichthys xinguensis der „L 83“.
Sieht man sich die weiteren Pterygoplichthys / Glyptoperichthys an, so kommen in vielen (allen?) größeren Flüssen Formen (Arten?) vor, die mehr oder weniger ähnlich zu Pterygoplichthys / Glyptoperichthys gibbiceps sind. Wer ist wer?

Pterygoplichthys / Glyptoperichthys gibbiceps und „L 165“

Hier gibt es wohl keine Zweifel: Bei Pterygoplichthys / Glyptoperichthys gibbiceps und „L 165“ handelt es sich ganz offensichtlich um die selbe Art.

Rudolph Kner hat 1854 Ancistrus gibbiceps in „Die Hypostomiden. Zweite Hauptgruppe der Familie der Panzerfische.“ (Denkschriften der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften / Mathematisch-Naturwissenschaftliche Classe.) beschrieben. Die Beschreibung erfolgte an einem eingetrockneten Exemplar, das vom Rio Negro bei Marabitanos stammt. (Entsprechend Notizen und Anmerkungen auch aus Schriften von Humboldt, soll sich der Ort etwa bei 0.93871°N, 66.80989°W nahe der heutigen Grenze zu Kolumbien / Venezuela befinden.)

Gill stellte 1858 die Gattung Pterygoplichthys auf und fügte dieser den Wabenschilderwels Ancistrus gibbiceps dieser hinzu. Claude Weber definierte 1991 die Gattung Glyptoperichthys. In Zusammenhang mit der Gattung Liposarcus, Günther 1864 sieht man auf Grund der etwas problematischen verwandtschaftlichen Beziehungen dieser Gattungen, die beiden letztgenannten als Synonym zu Pterygoplichthys.

Rainer Stawikowski vergibt in der DATZ 6/1994 die L-Nummer „L 165“ für einen Import der Fa. Transfish aus Manaus und stellt schon hier fest, dass dieser der Beschreibung Pterygoplichthys / Glyptoperichthys gibbiceps entspricht. Der exakte Fangort ist nicht bekannt. Auf Grund der Lage von Manaus kann man aber davon ausgehen, dass die importierten Tiere vom Rio Negro stammen.

Formen/Arten, die Pterygoplichthys / Glyptoperichthys gibbiceps gleichen oder sehr ähnlich sind

Hier sind zunächst die beiden nördlichen Vertreter zu nennen:

zu nennen. Die Tiere sind wohl fast im gesamten Río Orinoco-Einzug zu finden. Der Río Orinoco stellt offensichtlich auch keine Habitatsgrenze dar. Es ist daher davon auszugehen, dass es sich um die gleiche Art handelt.

Etwas anderes sieht es vom Rio Negro kommend nach Süden aus. Der Amazonas / Rio Solimões scheint durchaus eine Habitatsgrenze zu bilden. In jedem größeren Flusssystem des Amazonasbeckens scheint mindestens eine mehr oder weniger ähnliche Art/Form zu Pterygoplichthys / Glyptoperichthys gibbiceps zu existieren. Sie unterscheiden sich auch ziemlich deutlich.

Auch bei unserer Tour entlang des Rio Solimões konnte ich bei Fischern und auf Fischmärkten nur ein einziges Exemplar von / ähnlich zu Pterygoplichthys / Glyptoperichthys gibbiceps entdecken. Dieses fand ich auf dem Fischmarkt von Manaus. Entlang des Rio Solimões kommen bezogen auf den Tribus Pterygoplichthini fast ausschließlich Pterygoplichthys / Liposarcus pardalis vor. Pterygoplichthys / Glyptoperichthys gibbiceps scheinen sich doch mehr vom Hauptstrom entfernt aufzuhalten.

Weitere zu Pterygoplichthys / Glyptoperichthys gibbiceps ähnliche Arten / Formen sind:

Ob es sich hier um eine oder mehrere Arten handelt, müssen wissenschaftliche Untersuchungen zeigen.

(Alle Einträge in der Datenbank zu Pterygoplichthys / Glyptoperichthys (cf.) gibbiceps.)

„L 83“ = Glyptoperichthys / Pterygoplichthys xinguensis?

„L 83“ kennen wir als Pterygoplichthys / Glyptoperichthys vom Rio Xingu und ist sehr ähnlich zu Pterygoplichthys / Glyptoperichthys gibbiceps. Ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal ist, dass bei „L 83“ die Linien zwischen den dunklen Punkten/Flecken weniger rund, eher wie Wurmlinien wirken. Während „L 165“ ein deutliches Wabenmuster zeigt, sieht es bei „L 83“ eher netzförmig aus.

Claude Weber beschrieb 1991 Glyptoperichthys / Pterygoplichthys xinguensis vom Rio Fresco bei Aldeio Gorotire, im Rio-Xingu-Einzug in „Nouveaux taxa dans Pterygoplichthys sensu lato (Pisces,Siluriformes, Loricariidae)“ (Revue Suisse de Zoologie, Vol. 98). Dort heißt es: „G. xinguensis se distingue par une livrée sombre à petits points clairs sur tout le corps et les nageoires, …“ (G. xinguensis zeichnet sich durch eine dunkle Farbgebung mit kleinen Leuchtpunkten am ganzen Körper und Flossen aus, …).

Auch Jonathan W. Armbruster & Lawrence M. Page nehmen in „Redescription of Pterygoplichthys punctatus and description of a new species of Pterygoplichthys (Siluriformes: Loricariidae)“ (Neotropical Ichthyology, Vol. 4 No. 4) Bezug auf Glyptoperichthys / Pterygoplichthys xinguensis und Pterygoplichthys / Glyptoperichthys gibbiceps. Beide Arten werden im Bestimmungsschlüssel direkt gegenüber gestellt:

  • „large, dark spots“ (große dunkle Flecken) impliziert Pterygoplichthys / Glyptoperichthys gibbiceps und
  • „light spots“ (helle Flecken) Glyptoperichthys / Pterygoplichthys xinguensis

Hat „L 83“ nun große schwarze oder helle Flecken?

Werfen wir noch ein Blick auf bekannte Bilder von Glyptoperichthys / Pterygoplichthys xinguensis


Foto: José Birindelli (CC BY-NC)

oder bei PlanetCatfish.
Es sind helle Flecken, aber keine großen dunklen Punkte zu sehen.

Bei beiden Bildern handelt es sich um nahezu ausgewachsene Tiere. Entspricht „L 83“ juvenilen Glyptoperichthys / Pterygoplichthys xinguensis?

Ich denke, eher nicht. Es sind hinreichend Bilder von „L 83“ bekannt, auf denen die abgebildeten Tiere bereits eine Größe von 20 und mehr Zentimeter erreicht haben. Die wurmlinienförmigen Waben machen keine Anstallten aufzureißen. Claude Weber hat
Glyptoperichthys / Pterygoplichthys xinguensis an einem ca. 29 cm großen Exemplar (SL) beschrieben, der Paratype ist auch nur ca. 26 cm (SL) und da sollen die Waben vollständig verschwunden sein? Das ist doch sehr unwahrscheinlich.

Also „L 83“ ist meiner Meinung nach eher eine Form von (meinetwegen auch eine sehr ähnlich Art zu ) Pterygoplichthys / Glyptoperichthys gibbiceps aber nicht Glyptoperichthys / Pterygoplichthys xinguensis.

Darüber hinaus ist Pterygoplichthys / Glyptoperichthys (cf.) gibbiceps (L 83) auf der Positivliste Brasiliens für den Export erlaubt, während Glyptoperichthys / Pterygoplichthys xinguensis dort nicht genannt wird – also nicht exportiert werden darf.

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