Vendaval und Agua Limpa

Vendaval

Das übliche “La Traviata” am Morgen … ein Stück war noch zu fahren bis zu unserem nächsten Ziel: Vendaval.
Vendaval ist einer der größeren Siedlungen der Ticuna-(Tikuna-, Tukuna-) Indianer, die um das Dreiländereck von Brasilien, Kolumbien und Peru leben. Die Indianer selber nennen sich Magüta. Vendaval hat ca. 3000 Einwohner, wobei sich die Einwohnerzahl während der letzten 10 Jahre etwa verdoppelt hat. Grund dafür soll der viele Nachwuchs sein.

So wie wir erfahren haben sind die Ticuna-Indianer weltoffen und empfangen gerne Menschen aus aller Welt. Insbesondere die größeren Orte lassen sich gerne von Touristen besuchen. Trotz ihrer Weltoffenheit ist derzeit ihr Verständnis, sich nicht mit anderen Ethnien vermischen zu wollen.

Schon bei Ankunft sahen wir wieder eine Regenwalze auf uns zu rollen. Es dauerte nicht lange bis uns Schiff in Starkregen eingehüllt war. Um zumindest etwas von dem Ort Vendeval mitzubekommen, bestand für die “Wasserfesten” die Möglichkeit mit dem Beiboot zum Ort überzusetzen. (Wir, meine Frau und ich lösten das auf Delegationsbasis 😉 )

Im Ort bestand die Möglichkeit, Andenken zu kaufen. Neben verschiedenen Flechtarbeiten wurden auch Schuppen des Arapaima gigas für 1 USD/Stk. angeboten.
(Auf der Rückreise musste zumindest ein Freund die Erfahrung machen, dass der Import dieser Schuppen ohne Exportgenehmigung illegal ist, da Arapaima gigas im 2. Anhang der CITES aufgelistet ist und somit eine weltweit geschützte Art darstellt.
Andererseits darf Arapaima gigas in Brasilien mit Erlaubnis – im Sinne von Quote – als Speisefisch gefangen werden. Da solch ein Fisch mehrere hundert Schuppen hat – also sicherlich ausreichend von den Speisefischen vorhanden sein sollten, scheint dieser pauschale Artenschutz etwas über das Ziel hinaus zu schießen, da das Geld für die verkauften Schuppen den Indianern zu Gute kommen würde.)

Während die “Wasserfesten” sich den Ort ansahen, wurde unser Schiff (fast) gekapert, knapp 20 Kanus mit Kindern kamen an unser Schiff herangefahren.

Nachdem die “Wasserfesten” mit durchgeweichten Sachen zurück auf dem Schiff waren, ging es weiter … weiter zu einem kleinen Indianerdorf der Ticuna: Agua Limpa.

Siehe auch: Blog Belém do Solimões

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Agua Limpia

Bis zu dem Indianerdorf war es noch ein Stück zu fahren. Auch hier sollen die hohen Ufer ein Teil des Urstromtals des Amazonas – zu einer Zeit als Südamerika und Afrika nur einen Kontinent bildeten, herstammen. Unterwegs passierten wir auch den etwas größeren Ort Belém do Solimões.

Ein kleines ruhiges Indianerdorf mit einer Frau als Bürgermeisterin. Auch hier wurden wir sehr freundlich empfangen. Es schien auch so, als hätten die jungen Mädchen schnell noch ihre schicksten Kleider angezogen.

Vor der Reise hatte man uns informiert, dass wir, sofern vorhanden, unsere alten Brillen mitnehmen möchten, um diese den Indianer zu schenken. Bei der dann dort in Agua Limpa zur Verfügung stehenden Auswahl konnte so manchem geholfen werden. 

[Weiter unten: Der Schock des Abends]


Der Schock des Abends

Nach dem Tag bei den Indianern, noch zwei Nächte bis Tabatinga … so zumindest der Plan: also noch ein Tag um sich am Rio Solimões umzusehen – ein Tag noch einmal mit besonderem Tatendrang.

Vollkommen unerwartet erfuhren wir nach dem Abendessen, dass wir schon am nächsten Morgen in Tabatinga anlegen werden. Also nichts mehr mit “Natur pur am Rio Solimões”. Für mich war das ausgesprochen enttäuschend.

Im Nachhinein:

Die Reisebeschreibung für den drittletzten Tag schien ausgesprochen überladen: Ankunft in Tabatinga, Ausschiffen, Besuche in Santa Rosa und Leticia, Rückflug nach Manaus und dort Stadtrundfahrt. Spätestens mit der Mitteilung zum konkreten Flug, war ersichtlich, dass diese Beschreibung nicht zutreffen wird: wenn man erst 16:00 Uhr in Tabatinga abfliegt, ca. 19:30 Uhr ist eine Stadtrundfahrt in Manaus kaum noch vorstellbar. Diese Stadtrundfahrt fand dann am Vormittag danach statt. Soweit – so gut? Nicht wirklich, weil wir diesen als Freizeit deklarierten halben Tag für einen Besuch im Museu da Amazonia (MUSA) verbringen wollten.

Die Folgetage zeigten auch, dass die Zeit für Leticia und Santa Rosa am Abflugtag kaum gereicht hätte. Ergo, ich denke es war ganz gut, dass wir einen Tag eher in Tabatinga ankamen. Allerdings sollte die Reisebeschreibung angepasst werden, dass die Mitreisenden wissen was sie erwartet und dieses dann nicht als Überascherung erleben.

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